2. Plurale Schreibwerkstatt in Bernkastel-Kues: Studierende und Nachwuchswissen­schaftler_innen nehmen die Mainstream-Ökonomik unter die Lupe

Über 30 Studierende und Promovierende kamen Ende März 2019 für vier Tage in Bernkastel-Kues zusammen, um unter Anleitung von Nachwuchswissenschaftler_innen der Universitäten in Berlin, Erfurt, Heidelberg, Göttingen und der Cusanus Hochschule den gegenwärtigen Stand verschiedener Forschungsrichtungen der Ökonomie unter die Lupe zu nehmen. In sieben Kleingruppen wurden aktuelle ‘Mainstream‘-Forschungsansätze wie die ‘Feminist Economics‘, ‘Behavioral Economics‘ und ‘Ecological Economics‘ zunächst gemeinsam vertieft und dann in Essays kritisch reflektiert.

Florian Rommel als lokaler Initiator freut sich, dass die Cusanus Hochschule als Gastgeber gemeinsam mit Felix Kersting von der Humboldt Universität dieses im letzten Jahr von der Berliner Gruppe „Was ist Ökonomie?“ ins Leben gerufene Format nun an der Mosel erfolgreich wiederholen konnte: „Mittlerweile wächst eine junge Generation plural orientierter Ökonom_innen heran, die verschiedene Perspektiven spielerisch vermitteln kann. Es ist essentiell, solche neuen Formate zu etablieren, in denen wir uns sowohl das praktische Handwerkszeug als auch eine kritisch-reflektierte Perspektive gemeinsam erarbeiten, sachlich klar zu urteilen lernen und eine Kultur etablieren, in der das möglich ist.“

Schon seit Langem fordern Studierende der Volkswirtschaftslehre mehr Pluralismus in der ökonomischen Lehre. Dies führte 2012 zum Zusammenschluss des Netzwerks für Plurale Ökonomik. Zunächst wurde die Forderung nach mehr Theorien-Vielfalt sowie historischer und methodischer Reflexion von vielen Lehrenden ignoriert oder gar zurückgewiesen. Spätestens 2018 hat sich das jedoch geändert. Nun bekennt sich selbst der Vorstand des Vereins für Socialpolitik, der größten Ökonom_innen-Vereinigung im deutschsprachigen Raum, zum Pluralismus in der Ökonomie (So zum Beispiel Prof. Wambach im DLF). Allerdings schränken deren Vertreter_innen dies ein mit dem Hinweis, dass der Mainstream vielleicht nicht in seiner universitären Lehre, aber zumindest in seiner aktuellen Forschung bereits plural aufgestellt sei. Um diese Behauptung kritisch zu überprüfen, folgten über 30 Studierende und Nachwuchswissenschaftler_innen aus ganz Deutschland dem Ruf an die Cusanus Hochschule, wo sie gemeinsam eine Übersicht über den derzeitigen Status quo der Forschungsdiskurse in der Ökonomie erarbeiteten. Diese Untersuchung wird nun individuell in Essay-Form fortgesetzt und soll im Laufe des Sommersemesters auf der Online Plattform des Netzwerks Exploring Economics veröffentlicht.

Ermöglich wurde diese „2. Schreibwerkstatt“ vom 21.-24. März durch eine Kooperation mit der pluralen Studierenden-Gruppe „Was ist Ökonomie?“ aus Berlin und der pluralen Plattform „Exploring Economics“ sowie durch die finanzielle Förderung von der „Young Scholars Initiative“ des „Institut for New Economic Thinking“ aus New York.