Die Hochschule präsentiert sich mit erweitertem Namen und ehrt Absolventinnen und Absolventen

Absolventinnen und Absolventen mit der Festrednerin und Vertreterinnen und Vertretern der Hochschule. V. l. n. r.: Alexander Repenning, Manuel Ibn Salem, Frank Vierheilig (Kanzler), Silja Graupe (Studiengangsleiterin MA), Reinhard Loske (Präsident), Elisabeth von Thadden (Die Zeit), Robert Kasperan, Lisa Kolde, Stephan Panther (Studiengangsleiter BA), Hannah Hartge, Lorenz Ottilinger, Hannah Heller, Marcel Beyer, Alexander Feldmann, Valentin Sagvosdkin, Anna Mendes da Cunha. Foto: © Artur Feller

Am 8. Februar 2020 veranstaltete die Hochschule ihren Jahresempfang, bei dem die diesjährigen Absolventinnen und Absolventen verabschiedet wurden. Dabei präsentierte sie sich zum ersten Mal mit ihrem erweiterten Namen als Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. Präsident Reinhard Loske begrüßte im festlichen Barocksaal des Klosters Machern über 150 Gäste, darunter elf der insgesamt 13 frischgebackenen Absolventinnen und Absolventen mit ihren Familien und Freund*innen, der Bürgermeister der Stadt Bernkastel-Kues, Vertreter und Vertreterinnen aus dem Stadtrat und dem Verbandsgemeinderat, Freund*innen und Förder*innen sowie Mitarbeitende und Studierende der Hochschule.

In seinem Grußwort betonte Präsident Loske, dass die Hochschule den Begriff der Gesellschaftsgestaltung, den sie nun im Namen führt, weder als technokratische Steuerungsphantasie noch als Anpassung an bloße Sachzwang-Logiken verstehe. Vielmehr werde der Fokus ihrer Forschung und Lehre künftig noch stärker auf der Gesellschaftsanalyse sowie der Entwicklung von Lösungsansätzen für gesellschaftliche Herausforderungen liegen. Als Beispiele nannte er die Erderhitzung und den Biodiversitätsverlust, die zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft und die Populismusgefahren für unsere Demokratie, den demographischen und den digitalen Wandel. Loske machte deutlich: „Die Namenserweiterung vollzieht damit nach, was an der Cusanus Hochschule längst gelebte Praxis ist. Dies belegen die Themen, mit denen sich die Absolventinnen und Absolventen in ihren Abschlussarbeiten beschäftigt haben“.

Marie Schumacher, die letztes Jahr ihr Bachelorstudium Ökonomie in Bernkaste-Kues begonnen hat, beschrieb in ihrem Beitrag ihre Erwartungen an das Studium im Kontext des Begriffs Gesellschaftsgestaltung mit dem Bild des „denkenden Herzens“. Dieses lerne, sich den Widersprüchlichkeiten von Denken und Handeln in der Welt zu stellen, das Vorgefundene zu hinterfragen, aufmerksam wahrzunehmen und in der Begegnung mit anderen eine gemeinsame Sprache zu finden, um zusammen eine „enkeltauglichen Welt“ zu schaffen.

Die Vizepräsidentin der Hochschule, Prof. Dr. Silja Graupe, griff in ihrer Vorstellung des neuen Leitbildes der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung diesen Gedanken auf. Sie betrachtet es als zentrale Aufgabe der Hochschule, jungen Menschen eine Orientierung zu geben und ihnen die Fähigkeit zu vermitteln, den gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten. Wissenschaft dürfe nicht nur Fakten und Ergebnisse liefern, sondern müsse diese in einen sozialen Kontext einbetten. Ebenso dürfe die Ökonomie nicht losgelöst vom sozialen Bezug stehen. „In der heutigen Zeit mit ihren schnellen Umbrüchen kann die Wissenschaft oft keine fertigen Antworten geben, aber sie kann Problemlagen aufzeigen, Einsicht befördern und Klarheit schaffen. Nicht zuletzt muss der Bildungsprozess immer auch den Mut zum Handeln stärken“, so Graupes Plädoyer.

Den Festvortrag hielt in diesem Jahr Elisabeth von Thadden, verantwortliche Redakteurin des Feuilletons der Zeitung DIE ZEIT. Sie beschrieb in ihrer Rede „What’s the news? Die Krise der aufgeklärten Öffentlichkeit als Krise der Demokratie“ die Rolle der Presse in der Gesellschaft und zog Parallelen zur Rolle von Universitäten und Hochschulen. Auch sie hob hervor, dass das Pressewesen nicht nur die Aufgabe habe, Fakten auf ihre Wahrhaftigkeit zu prüfen und wiederzugeben. Was wahr ist, müsse die Gesellschaft immer wieder aufs Neue aushandeln, da Informationen stets dem subjektiven Blick des Einzelnen unterliegen und Deutungen veränderlich seien. Hier könnten Zeitungen wie auch Hochschulen ein Forum sein, in dem sich die Mitglieder der Gesellschaft austauschen und zu einer gemeinsamen Überzeugung gelangen. Dafür ist nach Elisabeth von Thadden ein offener Dialog von Bürgerinnen und Bürgern, Fachleuten und Personen, die in Politik, Wirtschaft und Medien Verantwortung tragen, notwendig. Um diesem Ideal nahezukommen, wünscht sie sich Bildungseinrichtungen wie die Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, an denen Studierende lernen, kritisch zu denken, mit den Augen der anderen zu sehen, aber auch den eigenen Standpunkt zu verteidigen.

Eine kleine Laudatio auf seine Hochschule hielt Alexander Repenning aus dem Kreis der Absolvent*innen, der inzwischen beim Alternativen Nobelpreis arbeitet, in seiner „Antwort auf den Festvortrag“. Er führte aus, dass heutzutage die großen Gesellschaftsentwürfe fehlten, weil es einen Mangel an Vorstellungskraft gebe. Er sei deshalb dankbar, dass das Studium an der Cusanus Hochschule ihm die Fähigkeiten vermittelt habe, eine kritische Imaginationskraft zu entwickeln und seine Visionen in praktisches Handeln umzusetzen. Durch diese besondere Ausbildung sei er nicht nur ein fachlich versierter Politökonom, sondern vielmehr „ein Gesellschaftsgestalter“ geworden.

Bei der feierlichen Übergabe der Urkunden unterstrichen Studiengangsleiter Professor Stephan Panther und Studiengangsleiterin Professor Silja Graupe, dass der heutige Tag für die Absolventinnen und Absolventen eine Zäsur und den Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt markiert. Gleichzeitig drückten sie den Wunsch aus, dass diese sich als Alumni ihrer Alma Mater lebenslang verbunden fühlen mögen. Dazu luden Theresa Steffestun und Hannes Bohne von der Alumni-Gemeinschaft ein, indem sie sie als neue Mitglieder begrüßten.

Untermalt wurde die Veranstaltung durch einen satirischen Auftritt der Absolventin Hannah Heller und des Absolventen Valentin Sagvosdkin, bei dem die „Anbetung des freien Marktes“ auf die Schippe genommen wurde, sowie den vom Chor des Studierendenhauses vorgetragenen Liedern aus Weißrussland und dem Senegal.