Dr. Lukas Bäuerle mit Forschungspreis der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW) ausgezeichnet

Die Preisträger der GSÖBW-Forschungspreise 2022 Dr. Harald Hantke und Dr. Lukas Bäuerle halten Urkunden in der Hand. Sie stehen vor einem großen Schriftzug. Der Schriftzug lautet "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern".
Die Preisträger der GSÖBW-Forschungspreise 2022 Dr. Harald Hantke (links) und Dr. Lukas Bäuerle (rechts). Foto: privat.

Wer wird eigentlich wie Mensch im Rahmen eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums?

Dieser Frage ist Dr. Lukas Bäuerle, Alumnus und ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, in seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Ökonomie – Praxis – Subjektivierung. Eine praxeologische Institutionenforschung am Beispiel ökonomischer Hochschulbildung“ nachgegangen.

Anhand von 16 umfangreichen Gruppeninterviews rekonstruiert Bäuerle empirisch die Lebenswelt von VWL-Studierenden an den Studienstandorten Köln, Frankfurt a. M., Mannheim, Wien und Linz. Dabei arbeitet er drei idealtypische Subjektivierungstypen heraus, die theoretisch fundiert werden. Auf dieser Basis skizziert er, wie eine zukunftsfähige Ökonomik aussehen kann, die sich konsequent an den Praktiken von Akteur:innen der Wirtschaft orientiert. „Ökonomische Bildung könnte so zu dem gesellschaftlichen Ort avancieren, von dem eine Nachhaltigkeitstransformation aus angefacht, erweitert und vertieft werden kann, so Bäuerles abschließende Einschätzung zum Potenzial einer neuen ökonomische Bildung.

„Diese ausgesprochen interdisziplinär angelegte Arbeit setzt nicht nur an der Schlüsselstelle der aktuellen Gesellschaftsordnung an, sondern zielt auch auf die Transformation der bestehenden diskursiven und symbolischen Ordnung. Damit setzt dieses Projekt an einem für eine Dissertationsschrift ausgesprochen anspruchsvollen Niveau an, was nahe am Anspruch einer Habilitationsschrift liegt“, so die fachliche Einschätzung der Drittgutachterin Prof. Dr. Susanne Maria Weber von der Universität Marburg. „Insgesamt ist diese Arbeit hoch anspruchsvoll, hochinnovativ und durchgängig hochgradig überzeugend.“

Dieser Einschätzung hat sich die Jury der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW) angeschlossen und Dr. Lukas Bäuerle für seine Dissertationsschrift mit dem GSÖBW-Preis 2022 ausgezeichnet.

Dr. Lukas Bäuerle war einer der ersten Studierenden des Masterstudiengangs Ökonomie der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, den er mit der Arbeit „Zwischen Wahrheit und Wirkmacht. Zu Ort und Sinn akademischer ökonomischer Bildung“ abschloss. Die Forschung über eine zukunftsfähige ökonomische Lehre vertiefte er auch in seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter der CHG, beispielweise im Forschungsprojekt „Wie denken zukünftige Ökonom:innen“, das die CHG gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt durchführte.

Die nun ausgezeichnete Doktorarbeit erweitert die theoretische Forschung um einen praxeologischen Strang. Sie ist als Print sowie im Open Access erhältlich. Kernthesen der Arbeit werden auch auf dem CHG-Blog Studies4Future sowie dem Oxiblog – Wirtschaft anders denken vorgestellt.

Die an der Europa-Universität Flensburg eingereichte Dissertation wurde von Dr. Stephan Panther, Professor für Plurale Ökonomie und Dr. Silja Graupe, Professorin für Ökonomie und Philosophie und Präsidentin der CHG, fachlich betreut.