Forschungsschwerpunkt „Imagination und Zukunftsgestaltung“ stößt auf breite Resonanz

Die Wirtschaft speist sich in hohem Maße nicht nur aus unmittelbaren physischen Bedingungen (etwa in der Produktion) oder zwischenmenschlichen Beziehungen (beispielsweise im Tausch), sondern auch aus der Wahrnehmung mittels Bildern und Imaginationen. Ein allgegenwärtiges Werbegeschehen ebenso wie die grafischen Repräsentationen von ökonomischen Daten (z.B. Charts) oder Modellierungen (z.B. das Angebots-Nachfrage-Diagramm) in öffentlichen und wissenschaftlichen Diskursen zeugen von dieser Omnipräsenz des Bildmediums in ökonomischem Denken und Handeln. Diese Macht der Bilder lässt sich  auch im Sinne einer imaginativen Fähigkeit zur Entwicklung zukunftsfähiger Gesellschafts- und Wirtschaftsformen nutzen. Zukunftsgestaltung ist und wird ganz wesentlich von ihnen abhängen.

Das Institut für Ökonomie der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung nimmt in der fachwissenschaftlichen Erforschung von Imagination und Bildlichkeit in der Ökonomie eine Vorreiterrolle ein. Bereits 2018 erschien ein Tagungsband zur Skizzierung dieses Forschungsbereichs, für den Prof. Dr. Walter O. Ötsch und Prof. Dr. Silja Graupe verantwortlich sind. Nun gaben Ötsch und Graupe kürzlich einen weiteren Sammelband heraus, erschienen bei Springer VS (siehe einen einführenden Beitrag von Walter O. Ötsch hier). Auch Stephan Panther und Lukas Bäuerle legten kürzlich Aufsätze zur Thematik vor. Bereits im Dezember 2019 organisierte Theresa Steffestun einen zweitägigen internationalen Workshop, an dem auch Studierende und Alumni der Hochschule mitwirkten.

Im Kontext zahlreicher Krisenherde erfährt dieser Forschungsschwerpunkt zurzeit eine wachsende Resonanz in Wissenschaft und Gesellschaft:

  • In einem Essay für die Wirtschaftswoche bekräftigte Silja Graupe ihre Kritik am herrschenden Paradigma der Volkswirtschaftslehre und unterstrich die „Kraft der Imagination“ als ein Fundament, auf das ein grundlegender Paradigmenwechsel bauen könnte und sollte.
  • In einem Interview des Online-Magazins Das Investment erörterte Silja Graupe die Rolle von Imagination und Zukunftsbildern für das Verständnis und die Gestaltung von Wirtschaftsprozessen.
  • Das Thema wird auch Gegenstand einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing mit dem Titel „Ökonomische Narrative im Kontext von Krisen“ vom 27.-29. November 2020 sein, auf dem zahlreiche Pioniere dieses Forschungsgebietes referieren, unter anderem Silja Graupe.

Der Forschungsschwerpunkt findet nun auch eine Verankerung in der Lehre an der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung: „Das Thema der Imagination und ihrer Rolle in der Ökonomie stößt auf eine große Resonanz, und wir sind froh, ab Herbst 2021 einen neuen Studiengang eigens für diesen Bereich anbieten zu können: den Masterstudiengang ‚Ökonomie – Imagination – Zukunftsgestaltung‘“, so Graupe.