„Imagining the (new) economy“ – Interdisziplinärer Workshop untersucht die Rolle von Imagination und Bildlichkeit in der Ökonomie

Bild: CC BY-NC-ND 4.0 by Cusanus Hochschule

Was bedeuten globale Entwicklungen wie Klimawandel und Digitalisierung für die Menschheit, aber auch für uns ganz persönlich? Wie sieht eine Gesellschaft aus, die diesen Herausforderungen souverän begegnen kann? Wie können Transformationsprozesse demokratisch, sozial gerecht und ökologisch nachhaltig gestaltet werden? Wie sieht eine Bildung aus, die Schüler*innen und Studierende befähigt, Verantwortung für ihr Handeln im gesellschaftlichen und ökologischen Kontext zu übernehmen?

All diese Fragen, die viele Menschen gegenwärtig bewegen, benötigen für ihre Beantwortung vor allem eines: eine lebendige Vorstellungskraft. Diese Imaginationskraft und die mentalen sowie materiellen Bilder, die sie hervorbringt, stellen eine zentrale Grundlage für die reflexive Verarbeitung sowie kreative Gestaltung von Wirklichkeit dar. Imagination ist vor allem dort von entscheidender Bedeutung, wo es darum geht, durch Krisen hervorgerufene gesellschaftliche und individuelle Umbrüche zu gestalten. Denn es sind gerade unsere Selbst-, Menschen- und Weltbilder, die unsere Wahrnehmung, Urteile und Handlungen entscheidend prägen. Sie gilt es, sich bewusst zu machen und umzugestalten, um den oben aufgeführten Fragen begegnen zu können.

Der Workshop „Imaging the (new) economy – Bildlichkeit in der Ökonomie am Beispiel der Schul- und Lehrbücher“ beschäftigte sich am 7. und 8. Dezember 2019 mit dieser Bedeutung von Imagination und Bildlichkeit im Kontext der ökonomischen Praxis und Wissenschaft. In diesem Rahmen wurde neben ihren erkenntnistheoretischen Grundlagen und ihrer Bedeutung in der Geschichte des ökonomischen Denkens auch ihre Rolle in der ökonomischen Bildung diskutiert. Ein besonderer Fokus galt dabei der Verwendung von Bildern in ökonomischen Lehr- und Schulbüchern. Nachdem neuere Forschungsergebnisse am Institut für Ökonomie der Cusanus Hochschule manipulative Elemente in der sprachlichen Gestaltung von Lehrbüchern aufgezeigt hatten, wurde nun die Rolle von Bildern in diesen Lehrmitteln näher untersucht. Der interdisziplinäre Workshop führte dafür Perspektiven aus der Ökonomie, der Fachdidaktik der Sozialwissenschaften, der Kunstgeschichte, der bildenden Künste und der Grafik zusammen. Neben ausgewiesenen Expert*innen nahmen auch zahlreiche Nachwuchswissenschaftler*innen an der Veranstaltung teil, darunter mehrere Alumni der Cusanus Hochschule.

Der Workshop „Imagining the (new) economy“ ist Teil eines zentralen Forschungsbereichs der Cusanus Hochschule. Ziel ist es, durch innovative, trans- und interdisziplinäre Forschung zur Entfaltung der Imagination und zur Entwicklung von neuen Bildern der Ökonomie in Wissenschaft und Gesellschaft beizutragen. In diesem Rahmen führt die Cusanus Hochschule in Kooperation mit der Stiftung kulturelle Erneuerung das Projekt „Orientierung und Aufbruch in Krisenzeiten. Mit Kunst Ökonomie transformieren“ durch. Die Stiftung hat auch die Realisierung des Workshops ermöglicht. Im kommenden Jahr erscheint ein Grundlagenwerk zu diesem Forschungsfeld mit dem Titel „Imagination und Bildlichkeit in der Ökonomie“, das von Walter Ötsch und Silja Graupe herausgegeben wird. Darüber hinaus entwickelt das Institut für Ökonomie zu dieser Thematik eigens einen Masterstudiengang und integriert schon jetzt eine reflexive Bild- und Imaginationsdidaktik in ihre Lehre. Auf Basis des Workshops sollen nun weitere Forschungsprojekte entstehen, welche die Grundlagen und Horizonte von Imagination und Bildlichkeit einer (neuen) Ökonomie im Kontext aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen analysieren sollen.

Das Programm des Workshops finden Sie hier.