Madeline Ferretti referiert in Washington über die gesellschaftliche Relevanz von Fotografie als mediatisierte Kommunikation

Vom 24.-28. Mai 2019 fand in Washington D.C. die Jahreskonferenz der International Communications Association statt, ein weltweiter Verbund von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich der Forschung, Lehre und Praxis menschlicher und mediatisierter Kommunikation widmen. Das diesjährige Thema Communication Beyond Boundaries zielte darauf ab, die Rollen von Kommunikation und den Medien zu erörtern, mit denen gesellschaftliche Strukturen und Vorstellungen über soziale, politische und kulturelle Grenzen hinaus vermittelt wie auch geschaffen werden.

Um die Rolle der Fotografie als ein zentrales Medium für die gesellschaftliche Kommunikation und Gestaltung aufzuzeigen, hat Madeline Ferretti, Kunsthistorikerin und Projektleiterin des Projekts „Kunst und Ökonomie“¹ an der Cusanus Hochschule, ihre Forschung zu Fotografie als eine relationale Praxis öffentlicher Kommunikation am Beispiel der ikonischen Fotoausstellung „The Family of Man“ vorgestellt. In einer Arbeitssitzung zum Thema Recovering Photography’s Public Voice: History, Aesthetics, Politics stellte sie mit Medienwissenschaftler_innen der Northwestern University (Illinois, USA), University of Leeds (GB) und der Hebrew University (Jerusalem) die historischen, ästhetischen und politischen Bedingungen dar, unter denen die Fotografie in unserer umfassend mediatisierten Gesellschaft in der Lage ist, persönliche Orientierungen und Haltungen im öffentlichen kulturellen Diskurs zu prägen.

Alle Beiträge betonten zwar einerseits die Notwendigkeit einer kritischen Betrachtung medialer Abhängigkeiten, sie zeigen aber auch auf, welch wichtige Ressource Fotografien bei der Vorstellungsbildung und Begleitung öffentlicher Diskurse im digitalen Zeitalter sind. In der Konsequenz besteht für die Zukunft ein dringender Bedarf, die gesellschaftliche Relevanz von Fotografie als Medium öffentlicher Kommunikation neu zu überdenken, um einen verantwortlichen Umgang mit und die kreative Schaffung von Bildwelten zu fördern, die einen echten öffentlichen Diskurs nach demokratischen Regeln ermöglichen.


¹Das Lehrprojekt „Kunst und Ökonomie“ ist ein von der Stiftung Kulturelle Erneuerung gefördertes Projekt, in der ökonomische Kontexte in Seminaren mit Impulsen aus den künstlerischen Bereichen von Musik, bildendender Kunst, Theater/Film usw. gestaltet werden, um Reflexionsräume für Studierende zu eröffnen, wobei implizit vorhandene Normen, Werte, Grundannahmen und Sinnfundamente jenseits eines ökonomischen Alltagsverstandes erforscht und kritisch hinterfragt werden.