Tagung „fürSorge – nichtMärkte. Positionen einer feministischen Ökonomie” lockt feministische Stimmen in das Studierendenhaus

Bei sommerlichen Temperaturen haben sich vom 31. Mai – 2. Juni 2019 knapp 40 interessierte Studierende und Mitarbeitende der Cusanus Hochschule und externe Gäste auf dem Studierendenhaus in Bernkastel-Kues eingefunden, um unterschiedliche Positionen feministischer Ökonomie im Rahmen einer studentisch organisierten Tagung zu ergründen.

Dr. Marina Martinez Mateo vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften an der Universität Frankfurt, Dr. Silke Chorus, promovierte Politikwissenschaftlerin und Trainerin für gewaltfreie Kommunikation sowie Prof. Dr. Esra Erdem, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Alice Salomon Hochschule in Berlin, gestalteten jeweils eine seminaristische Einheit zu ihren Forschungs- und Praxiserfahrungen in der feministischen Ökonomie.

Den inhaltlichen Auftakt machte Martinez Mateo. Anhand der Diskussion eines Auszugs aus dem Werk “The Theory of Moral Sentiments” des einflussreichen Moralphilosophen und Ökonomen Adam Smith erarbeiteten die Teilnehmenden, welches Verständnis der feminisierten Konzepte von Gefühlen, Moral und Sympathie in Smith’s früher Arbeit angelegt ist und welche Kontinuitäten und Diskontinuitäten sich hier zu seinem späteren Werk The Wealth of Nations ergeben.

Am Samstagnachmittag wurde diese Perspektive durch die angeregte Diskussion des Textes „Care-Ökonomie als Bestandteil einer integralen Ökonomietheorie“ von Dr. Silke Chorus ergänzt. Hier wurde insbesondere die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen und der damit verbundenen Fürsorge-Arbeit für gesellschaftlichen Zusammenhalt und ökonomisches Handeln kritisch beleuchtet.

In einer dritten Einheit widmeten sich die Teilnehmenden gemeinsam mit Prof. Esra Erdem dem „diverse economies“-Ansatz von J. K. Gibson-Graham, der die feministisch-marxistische Ökonomiekritik maßgeblich geprägt hat. Das wissenschaftliche Programm wurde von der Kochkunst des Künstler_innenkollektivs Marie Donike und Johannes Specks sowie von gemeinsamen Meditationsübungen und Spaziergängen in den Weinbergen umrahmt.

Organisiert und initiiert wurde die Tagung von Feline Tecklenburg, ehemalige Masterstudentin der Ökonomie an der Hochschule, sowie Max Becker, Masterstudent der Ökonomie und Johanna Hopp, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ökonomie. An dieser Stelle sei ein herzlicher Dank an die Studierendengemeinschaft und die Organisator_innen gerichtet, deren Engagement diese bereichernde Tagung ermöglichte. Der Schwerpunkt „Feministische Ansätze in der Ökonomie und Gesellschaftstheorie“ soll an der Hochschule künftig im Rahmen von Seminar- und Forschungsarbeiten weiterentwickelt werden.