Newsletter Winter 2019/2020

Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr
CC BY-NC-ND 4.0 by Cusanus Hochschule

Liebe Freund*innen und Förder*innen, liebe Mitarbeiter*innen, Studierende und Alumni!

Was bedeutet es heute, ein Sterndeuter (wörtlich aus dem Griechischen: “Magier”) zu sein?

“Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben”, sagte Albert Einstein einmal. Die Zeit zwischen den Jahren bringt es mit sich, sich diese(r) Frage zu stellen. Was wird uns 2020 bringen? Das Jahr, ab dem die globalen CO2-Emissionen alle 10 Jahre halbiert werden müssen, um die globale Erwärmung unter zwei Grad zu halten? Die Feiertage ermöglichen genauso, sich auf sich selbst zu besinnen: Was hat das mit mir zu tun? Wie komme ich mit meinen Bedürfnissen und Anliegen in Resonanz mit der Welt? Das wiederum braucht etwas ganz anderes: Besinnung auf die

– Gegenwart.

Eine in diesem Sinne besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Jahresübergang wünscht

die Redaktion

Inhalt

Neues aus der Hochschule

Neues aus der Studierendenschaft

Interview

Berichte aus Forschung und Lehre

Pressespiegel

Neuerscheinungen

Ausgewählte Termine

 

Neues aus der Hochschule

„Vom Ende der Klimakrise“: Buchvorstellung in der Hochschule

Die erste Autorenlesung im ehemaligen Hotel Drei Könige: Die bekannte Klimaaktivistin Luisa Neubauer und Alexander Repenning, der soeben sein Masterstudium Ökonomie an der Cusanus Hochschule abgeschlossen hat, haben am 26.11.2019 ihr kürzlich erschienenes Buch „Vom Ende der Klimakrise“ an der Hochschule vorgestellt. Im vollbesetzten Auditorium des neuen Hochschulgebäudes lasen sie Auszüge aus ihrem Buch und diskutierten dessen Kernthesen mit Studierenden, Lehrenden und einer interessierten Öffentlichkeit. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Silja Graupe.

In ihrem von Deutschlandfunkkultur als „Manifest der Fridays for Future-Bewegung“ titulierten Werk belassen sie es nicht dabei, auf die akuten Gefahren der Klimakrise und den dringenden Handlungsbedarf hinzuweisen. Vielmehr zeigen sie auch auf, wie dieses Handeln angesichts der kaum zu bewältigenden Herausforderungen vorstellbar ist und möglich werden kann. Beide Autoren verstehen sich weder als Optimisten noch als Pessimisten, sondern als ‚Possibilisten‘: Überzeugt davon, „dass eine andere Zukunft möglich ist, uns aber nicht geschenkt wird“, so Neubauer, bedarf es einer inspirierenden Vision wie etwa den „Green New Deal“, der heute schon in vielen Ländern Niederschlag in Gesetzen und konkreten Maßnahmen für den Klimaschutz findet.

Repenning beschrieb diese Haltung am Beispiel der visionären Leistung des ehemaligen US-Präsidenten Kennedy, der das Apollo-Programm zu einem Zeitpunkt initiierte, als die technischen Voraussetzungen für einen Mondflug noch gar nicht gegeben waren. Ohne diese Imaginationskraft wäre eine erfolgreiche Mondlandung nicht möglich gewesen. Um die Klimakrise und ihre Folgen zu bewältigen, muss sich nach Meinung der Autoren eine solche Weitsicht mit politischem Willen, innovativen Ansätzen aus der Mitte der Gesellschaft heraus und dem Engagement vieler Einzelner verbinden. Neubauer und Repenning legten in ihren Plädoyers eindrücklich dar, wie Sachverstand und Vorstellungskraft das eigene Engagement beflügeln und das Gefühl lähmender Ohnmacht überwinden können. Das Buch „Vom Ende der Klimakrise“ ist im Oktober 2019 im Tropen Verlag erschienen. Informationen zum Buch auf der Verlagsseite.

Luisa Neubauer und Alexander Repenning
Luisa Neubauer und Alexander Repenning
CC BY-NC-ND 4.0 by Cusanus Hochschule

Klimawoche an der Mosel

Prima Klima in Bernkastel-Kues: In der Woche vom 25. bis 28.11. luden die Cusanus Studierenden gemeinsam mit der Hochschule zu Veranstaltungen und Café rund um das Thema „Klima“ ein. Die Hochschule beteiligte sich damit an einer bundesweiten Aktion der “Students for future”, bei der in 40 Städten an Universitäten Vorlesungen, Seminare und Workshops Klima- und Zukunftsfragen ein Raum gegeben wurde. Auch in Bernkastel-Kues gaben Studierende Workshops zu Klimagerechtigkeit, Ernährung und Wirtschaftswachstum an der Kueser Realschule und am Nikolaus-von-Kues-Gymnasium. Höhepunkt der Woche waren zwei Abendveranstaltungen.

Am Mittwoch kamen die Besucher*innen im Rahmen eines „World-Cafés“in Austausch über lokale Themen: Rainer van den Bosch von der Bürgerenergiegenossenschaft Energiewende Mosel-Hunsrück leitete die Tischrunde zum Thema Energie, mit Jutta Blatzheim-Roegler (MdL der Grünen) konnten Bürger*innen und Studierende sowie Hochschulmitarbeiter*innen über das Thema Verkehr sprechen und Reinhard Loske, der Präsident der Hochschule, diskutierte mit einigen Gästen über Wirtschaftspolitik. Überall ging es um die Frage, wie wir in der Region zur Lösung der Klimakrise beitragen können. Erfolgreicher Abschluss der Woche war die Zukunftswerkstatt am Donnerstagabend: Zur Frage „In welchem Bernkastel wollen wir leben?“ wurde nicht nur angeregt diskutiert, sondern auch konkrete Vorschläge gesammelt, mehr Infos dazu hier. Am Freitag gingen abschließend wieder dutzende Studierende und Schüler*innen zum Klimastreik auf die Straße, zu dem “Fridays for future” weltweit aufgerufen hatte.

Klimawoche an der Hochschule
Workshop-Abend “BKS4future”
CC BY-NC-ND 4.0 by Cusanus Hochschule

Eine runde Sache: Förderpartnerschaft mit dem Café Hansen in Bernkastel-Kues

Die Cusanus Hochschule freut sich, mit dem Café Hansen einen neuen, prominenten Förderpartner aus der Region gewonnen zu haben. Am 13. November 2019 haben Konditormeister Norbert Hansen und Präsident Reinhard Loske diese Verbindung besiegelt und in einer kleinen Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Förderung ist zugleich eine Hommage an den berühmten Sohn der Stadt, Nikolaus Cusanus, und an die Hochschule, die seinen Namen trägt. Denn das Café Hansen wird künftig einen Teil des Verkaufserlöses seiner Hausspezialität, den „Cusanus Kugeln“, an die Hochschule spenden. Inspiriert durch das „Globusspiel“ des Nikolaus von Kues, kreierte Norbert Hansen vor rund 13 Jahren seine „Bernkasteler Mozartkugeln“ mit der charakteristischen Delle, die heute ein Aushängeschild seiner Konditorei am Marktplatz sind und mit den Besuchern der Stadt als beliebtes Souvenir in alle Welt gehen. Für Cusanus symbolisierte die Anordnung des Spiels in neun spiralförmigen Kreisen um einen Mittelpunkt den Weg des Menschen zur Erkenntnis der göttlichen Wahrheit und die nicht ganz runde Kugel den Menschen, der in seiner Unvollkommenheit nur durch stete Übung stufenweise diesem Zentrum nahekommen kann. Neben einer Erklärung über die Bedeutung des „Globusspiels“ wird den Pralinen-Packungen künftig auch ein Hinweis zur Cusanus Hochschule beiliegen.

Norbert Hansen erläuterte, dass er „von Anfang an Feuer und Flamme für die Cusanus Hochschule“ gewesen sei. Er selbst saß bei ihrer Gründung als Mitglied im hiesigen Stadtrat. „Die Cusanus Kugel ist mit der Hochschule als deren Bildmarke eng verbunden und verkörpert gewissermaßen auch unser Bildungsideal“, ergänzte Reinhard Loske. Die neue Förderpartnerschaft belege erneut das Engagement der regionalen Wirtschaft für die Cusanus Hochschule, die als Hochschule in freier Trägerschaft auf solche Förderung in besonderer Weise angewiesen ist. Beide unterstrichen die Bedeutung einer praxisorientierten ökonomischen Bildung für die Stadt Bernkastel-Kues und den weiteren Umkreis. Einen Pressebericht über die Förderpartnerschaft finden Sie hier.

Norbert Hansen, Reinhard Loske und Hannes Bohne
Norbert Hansen, Reinhard Loske und Hannes Bohne
©Cusanus Hochschule

WEITWINKEL – Cusanus Hochschule gestaltet weiterhin Rubrik in agora42

Seit nun einem Jahr gestalten Professorinnen und Professoren der Cusanus Hochschule die Rubrik „Weitwinkel“ in agora42, dem philosophischen Wirtschaftsmagazin. „Weitwinkel“ präsentiert plurale und kritische Perspektiven auf aktuelle ökonomische und wirtschaftliche Themen. Denkgefängnisse, in denen wir in politischen und alltäglichen Debatten oft unwillkürlich gefangen sind, sollen philosophisch aufgezeigt und deren Mauern aufgesprengt werden. So kann sich der Blick auf das Neue, das Ungewöhnliche und durchaus auch Unbequeme weiten.

In den letzten vier Ausgaben von agora42 diskutierten Silja Graupe und Walter Ötsch einerseits, welche fragwürdigen Lösungen Ökonomen vorschlagen, um dem ökologischen Kollaps zu entgehen und andererseits, ob Kapitalismus wirklich zu Demokratie führt. Silja Graupe und Stephan Panther verfassten zudem „ein Plädoyer für eine Gemeinsinn-Ökonomie“ und Silja Graupe befasste sich mit radikalen Innovationen im Denken und der „Freiheit zur Gesellschaftsgestaltung“.

agora42 erscheint in Stuttgart und wurde 2009 gegründet. Das Magazin soll die Lücke zwischen Ökonomie und Philosophie schließen, Zusammenhänge deutlich machen und Raum für drängende Fragen in turbulenten Zeiten geben. In einer Ära, in der immer wieder von Alternativlosigkeit und Komplexität die Rede ist, wollen die Magazinmacher zeigen, dass sich der Sinn und Zweck des Wirtschaftens neu bestimmen und sich die Gesellschaft anders denken und gestalten lässt. Seit bereits vier Ausgaben beziehen sie die einmalige Verbindung von Ökonomie und Philosophie, wie sie an der Cusanus Hochschule gepflegt wird, nun darin ein.

Neues aus der Studierendenschaft

Studierende und Bürger*innen visionieren zu Transition Bernkastel-Kues

Am 28. November kamen im Rahmen der Klimawoche Menschen aus der Region, Studierende und Alumni zusammen, um sich in einer Zukunftswerkstatt über einen möglichen sozial-ökologischen Wandel in Bernkastel-Kues auszutauschen. Wie sieht ein nachhaltiges Bernkastel-Kues im Jahre 2030 idealerweise aus? Unter der strikten Vorgabe, Ideen nicht vorzeitig durch kritische Argumentionen einzuhegen und aus dem Anliegen heraus, von eigenen Bedürfnissen auszugehen, trug die bunt gemischte Gruppe verschiedene Innovationen im Bereich Mobilität, Soziales, Ökologie u.a. zusammen: Ein integratives Gesundheitszentrum, in dem alle Leistungen unter einem Dach versammelt sind; eine Lastenradflotte für die Stadt und die Einzelhändler; ein „Philosophen“-Garten am Cusanus Stift, in dem Senior*innen und Schüler*innen sich gleichermaßen – in Workshops oder AGs – um Kräuter und Gemüse kümmern, und vieles mehr.

Mit der Zahl der Ideen wuchs die gute Stimmung und die schöpferische Energie in der Runde. Eine Teilnehmerin sagte am Ende: „Seit den 90er Jahren engagiere ich mich, aber heute habe ich gemerkt, dass ich nicht alleine bin.“ Auf Wunsch der Teilnehmenden soll es eine Fortsetzung des Gesprächs- und Visionskreises geben, bei dem alles denkbar ist: Vom gemeinsamen Ausprobieren ökologischer Kosmetik bis hin zu Weiterentwicklung und Konkretisierung einzelner Ideen und Netzwerken mit lokalen Akteuren. Das nächste Treffen der Zukunftswerkstatt findet am 8. Januar 2020 um 19h im Hotel Drei Könige statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Die TeilnehmerInnen des Transition Workshops
Teilnehmer*innen des Transition Workshops
CC BY-NC-ND 4.0 by Cusanus Hochschule

Erste Foodsharing Kooperation der Cusanus Studierenden gestartet

Nussschnecken, Croissants, Berliner, ein Umzugskarton voll Brot: All das, was eine Bäckerei in Mülheim ansonsten regulär entsorgen müsste, geht ab jetzt an alle genussfreudigen Bewohner*innen in Bernkastel-Kues. Am Donnerstag erfolgte die erste Abholung im Rahmen der neuen Foodsharing-Kooperation zwischen der Cusanus Studierendengemeinschaft und der Bäckerei. Der „Fairteiler“, bei dem zukünftig alle Interessierten nicht verkaufte, aber noch genießbare Backwaren abholen können, wird donnerstags im Jugendkulturzentrum in Kues geöffnet sein. Weitere Infos bei Simon Birmele.

Interview

Dieses Mal haben wir Jürgen Roth befragt, seit 2018 IT-Mitarbeiter in der Verwaltung der Hochschule.

Wie sind Sie an die Cusanus Hochschule gekommen?

Als gebürtiger Bernkasteler habe ich das Aufkommen der Idee eine Hochschule zu gründen sowie die Gründung selbst natürlich von Anfang an verfolgt. Auch der geplante Umzug der Cusanus Hochschule in das historische Gebäude des ehemaligen Hotels Drei Könige erweckte als Einwohner von Bernkastel-Kues mein Interesse. Als ich mich Mitte 2018 beruflich neu orientierte, sah ich auf der Website der Arbeitsagentur das Stellenangebot der Cusanus Hochschule für die Stelle als IT-Mitarbeiter in der Verwaltung und ich entschloss mich zu einer Bewerbung. Ein möglicher Wechsel in ein gänzlich anderes Arbeitsumfeld machte mich neugierig und diese neue Herausforderung entspricht meinem Ehrgeiz. Da viel Wert auf Skills im Bereich Open Source gelegt wird und ich mir diese im Laufe der Jahre angeeignet und vertieft habe war meine Bewerbung erfolgreich und so bin ich seit 1. November 2018 Mitarbeiter der Cusanus Hochschule.

Was ist für Sie das Besondere an der Cusanus Hochschule?

Ich habe mein ganzes Berufsleben in produzierenden Industrieunternehmen gearbeitet und der Wechsel auf eine Hochschule, noch dazu privat getragen, verlangte in vielerlei Hinsichten ein komplettes Umdenken. Das kollegiale Arbeitsklima und der besonders herzliche Umgang miteinander machten mir das Ankommen in der Hochschule leicht. Inwieweit sich die Cusanus-Hochschule von anderen Hochschulen unterscheidet, kann ich selbst, mangels Vergleichsmöglichkeiten, nicht beurteilen. Ich erfahre aber tagtäglich, dass die Einbindung der Studierenden sowie das Eingehen auf deren Belange nicht generell so gehandhabt wird.

In welchem Bereich arbeiten Sie?

Ich bin in der Verwaltung tätig und dort zuständig und verantwortlich für den Bereich IT. Dies umfasst den Bereich der Server-Administration mit diversen dort installierten Anwendungen, sowie die software- und hardwaremäßige Betreuung der Clients von Verwaltungsmitarbeitern, Lehrkräften und wissenschaftlichen Mitarbeitern. Die Bedarfsermittlung, der Einkauf und letztlich auch die Inventarisierung von Geräten und Software gehört zu den anfallenden Tätigkeiten. Durch den Einsatz von IP-Telephonie zählt die TK-Anlage ebenso zu meinem Aufgabengebiet. Da ich eigentlich täglich präsent bin, landen gelegentlich auch Anfragen für einfache Hausmeister-Tätigkeiten bei mir.

Jürgen Roth
Jürgen Roth
© Jürgen Roth

Berichte aus Lehre und Forschung

Reinhard Loske im ZDF: „Mehr Mitspracherecht für junge Menschen bei Zukunftsthemen“

In einem Hintergrundbericht des ZDF heute journals vom 10.12.2019 zur laufenden UN-Klimakonferenz in Madrid äußerte sich Reinhard Loske über die Notwendigkeit eines neuen, kollektiven Politikverständnisses angesichts der globalen Klimakrise. Neben einem stärkeren Einfluss von Wissenschaftlern auf politische Entscheidungen, wie es u. a. die Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer fordert, hält Loske es für notwendig, der jungen Generation generell mehr Mitspracherecht in der politischen Debatte einzuräumen. Er sieht die Tendenz, dass durch den demografischen Wandel die Themen der älteren Generationen wie Rentenpolitik oder Fragen der öffentlichen Sicherheit mehr und mehr in den Vordergrund rücken. Dies gehe zulasten von jungen Menschen, die mit ihren Anliegen wie dem Klimaschutz nicht ausreichend repräsentiert seien. „Deswegen bin ich sehr dafür, dass man die Rechte der jungen Generation auch institutionell stärker abbildet“, so Loskes Plädoyer in der Sendung. Gemeint ist damit die erweiterte politische Partizipation auf kommunaler Ebene und in parlamentarischen Prozessen oder auch eine denkbare Änderung der Stimmengewichtung bei Wahlen. Der vollständige Hintergrundbericht „Die Verantwortung der Wissenschaft“ kann hier abgerufen werden.

„Gemeinsinn und Gemeinwohl“: Keynote von Silja Graupe auf der ersten internationalen Konferenz zur Gemeinwohl-Ökonomie

Unter dem Titel „Gemeinsinn und Gemeinwohl. Wie Wirtschaft Sinn macht. Für alle“ hielt Silja Graupe Ende November die wissenschaftliche Keynote anlässlich der internationalen Konferenz zur Gemeinwohl-Ökonomie an der Hochschule Bremen. Hier trafen sich Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus aller Welt, um sich über ihre Forschungsergebnisse zur Gemeinwohl-Ökonomie auszutauschen und den Diskurs zwischen Theorie und Praxis zu stärken. Die Gemeinwohl-Ökonomie stellt ein ethisches Wirtschaftsmodell dar, in dessen Kern es um die Orientierung der Wirtschaft am Gemeinwohl, die Kooperation und das Gemeinwesen gehen soll.

Silja Graupe argumentierte in ihrem Vortrag deutlich, dass ein solches Modell einen kompletten „Ortswechsel des Denkens“ benötige: Weg von der Vorstellung der Wirtschaft als Wettbewerbsspiel hin zur Leitidee der Ökonomie als ein unendliches Spiel mit dem Ziel, möglichst viele Spieler*innen zu integrieren und endlos fortgesetzt zu werden. Ein solcher Ortswechsel wiederum benötige die Bildung des Gemeinsinns, jenes moralischen und visionären Sinns, der eine sinnstiftende und improvisierende Gestaltung des Gemeinwohls in komplexen Umgebungen überhaupt erst möglich mache. Die Konferenz wurde von der Hochschule Bremen zusammen mit dem Forschungsverein der Gemeinwohl-Ökonomie, Wien, unter dem Titel „Economy for the Common Good – A Common Standard for a Pluralistic World?” veranstaltet.

Workshop: Imagining the (new) economy – Bildlichkeit der Ökonomie am Beispiel der Schul- und Lehrbücher

Was bedeuten globale Entwicklungen wie Klimawandel und Digitalisierung für die Menschheit, aber auch für uns ganz persönlich? Wie sieht eine Gesellschaft aus, die diesen Herausforderungen souverän begegnen kann? Wie können Transformationsprozesse demokratisch, sozial gerecht und ökologisch nachhaltig gestaltet werden? Wie sieht eine Bildung aus, die Schüler*innen und Studierende befähigt, Verantwortung für ihr Handeln im gesellschaftlichen und ökologischen Kontext zu übernehmen? All diese Fragen, die viele Menschen gegenwärtig bewegen, benötigen für ihre Beantwortung vor allem eines: eine lebendige Vorstellungskraft. Diese Imaginationskraft und die mentalen sowie materiellen Bilder, die sie hervorbringt, stellen eine zentrale Grundlage für die reflexive Verarbeitung sowie kreative Gestaltung von Wirklichkeit dar. Imagination ist vor allem dort von entscheidender Bedeutung, wo es darum geht, durch Krisen hervorgerufene gesellschaftliche und individuelle Umbrüche zu gestalten. Denn es sind gerade unsere Selbst-, Menschen- und Weltbilder, die unsere Wahrnehmung, Urteile und Handlungen entscheidend prägen. Sie gilt es, sich bewusst zu machen und umzugestalten, um den oben aufgeführten Fragen begegnen zu können.

Der Workshop „Imaging the (new) economy – Bildlichkeit in der Ökonomie am Beispiel der Schul- und Lehrbücher“ beschäftigte sich am 7. und 8. Dezember 2019 mit dieser Bedeutung von Imagination und Bildlichkeit im Kontext der ökonomischen Praxis und Wissenschaft. In diesem Rahmen wurde neben ihren erkenntnistheoretischen Grundlagen und ihrer Bedeutung in der Geschichte des ökonomischen Denkens auch ihre Rolle in der ökonomischen Bildung diskutiert. Ein besonderer Fokus galt dabei der Verwendung von Bildern in ökonomischen Lehr- und Schulbüchern. Nachdem neuere Forschungsergebnisse am Institut für Ökonomie der Cusanus Hochschule manipulative Elemente in der sprachlichen Gestaltung von Lehrbüchern aufgezeigt hatten, wurde nun die Rolle von Bildern in diesen Lehrmitteln näher untersucht. Der interdisziplinäre Workshop führte dafür Perspektiven aus der Ökonomie, der Fachdidaktik der Sozialwissenschaften, der Kunstgeschichte, der bildenden Künste und der Grafik zusammen. Neben ausgewiesenen Expert*innen nahmen auch zahlreiche Nachwuchswissenschaftler*innen an der Veranstaltung teil, darunter mehrere Alumni der Cusanus Hochschule.

Der Workshop „Imagining the (new) economy“ ist Teil eines zentralen Forschungsbereichs der Cusanus Hochschule. Ziel ist es, durch innovative, trans- und interdisziplinäre Forschung zur Entfaltung der Imagination und zur Entwicklung von neuen Bildern der Ökonomie in Wissenschaft und Gesellschaft beizutragen. In diesem Rahmen führt die Cusanus Hochschule in Kooperation mit der Stiftung kulturelle Erneuerung das Projekt „Orientierung und Aufbruch in Krisenzeiten. Mit Kunst Ökonomie transformieren“ durch. Die Stiftung hat auch die Realisierung des Workshops ermöglicht. Im kommenden Jahr erscheint ein Grundlagenwerk zu diesem Forschungsfeld mit dem Titel „Imagination und Bildlichkeit in der Ökonomie“, das von Walter Ötsch und Silja Graupe herausgegeben wird. Darüber hinaus entwickelt das Institut für Ökonomie zu dieser Thematik eigens einen Masterstudiengang und integriert schon jetzt eine reflexive Bild- und Imaginationsdidaktik in ihre Lehre. Auf Basis des Workshops sollen nun weitere Forschungsprojekte entstehen, welche die Grundlagen und Horizonte von Imagination und Bildlichkeit einer (neuen) Ökonomie im Kontext aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen analysieren sollen. Das Programm des Workshops finden Sie hier.

Workshop "Imagining the (new) economy"
Workshop “Imagining the (new) economy”
CC BY-NC-ND 4.0 by Cusanus Hochschule

Pressespiegel

Gemeinsam freie Bildung fördern. Konditor spendet Erlös aus Süßigkeiten an die Cusanus Hochschule
volksfreund.de, 29.11.2019

Buchvorstellung an der Cusanus Hochschule von Luisa Neubauer und Alexander Repenning: “Vom Ende der Klimakrise”
volksfreund.de, 28.10.2019

Hochschule unterstützt Klimastreik
Eifelzeitung, 25.09.2019

Umstrittenes Interview mit AfD-Mann Höcke: Populismus-Experte zieht ein ernüchterndes Fazit (Walter Ötsch)
Businessinsider, 17.09.2019

Eines Geistes? (Walter Ötsch zum Rechtspopulismus)
Zeit, 14.09.2019

Graupe, Silja: Das neue Spiel. Die Freiheit zur Gesellschaftsgestaltung. In: agora42, 01/2019: S. 84-86.

Graupe, Silja / Panther, Stephan: “Stop and Think!” Plädoyer für eine Gemeinsinn-Ökonomie. In: agora42, 03/2019: S. 88-91.

Graupe, Silja / Ötsch, Walter: Führt Kapitalismus zur Demokratie? In: agora42, 04/2019: S. 86-87.

Neuerscheinungen

Bäuerle, Lukas (2019): Optische Grenzgänge. Konstellationen des Sehens bei Nikolaus von Kues und Jeremy Bentham. In: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie, 1/2019: S. 92-117.

Bäuerle, Lukas (2019): Warum VWL studieren? Sinnangebote ökonomischer Lehrbuchliteratur. In: Zeitschrift für Diskursforschung 03/2018: S. 306-332.

Beyer, Marcel (2019): Erst Wirtschaft dann Politik? Neuer Name, neue Ausrichtung, bekannte Probleme. Stellungnahme zum Kernlehrplan (Entwurf Verbändebeteiligung: 25.02.2019) des neuen Fachs „Wirtschaft-Politik“ in NRW. Gesellschaft für Bildung und Wissenschaft. Zugriff finden Sie hier.

Graupe, Silja / Loske, Reinhard / Ötsch, Walter (2019): “Erkühne dich weise zu sein!” Grundrisse einer Gemeinsinn-Ökonomie. In: Gesellschaft • Wirtschaft • Politik , 68. Jahrg., 2/2019: S. 243-250. Den Text finden Sie hier.

Graupe, Silja: Das neue Spiel. Die Freiheit zur Gesellschaftsgestaltung. In: agora42, 01/2019: S. 84-86.

Graupe, Silja / Panther, Stephan: “Stop and Think!” Plädoyer für eine Gemeinsinn-Ökonomie. In: agora 42, 03/2019: S. 88-91.

Graupe, Silja / Ötsch, Walter: Führt Kapitalismus zur Demokratie? In: agora42, 04/2019: S. 86-87.

Graupe, Silja: Verändere. Dich. Jetzt. Wie ökonomisches Wachstum Überlastung zum Alltag macht. In: Burchardt, Matthias, Krautz, Jochen (Hrsg.): Im Hamsterrad. Schule zwischen Überlastung und Anpassungsdruck. koepad: München 2019, S. 31-44. Kostenloser Download hier.

Loske, Reinhard: Die Universität in Zeiten des Klimawandels. Wie kann transformative Kompetenz für eine nachhaltige Entwicklung entstehen? In: UNIVERSITAS 2019, Nr. 873: S. 63-85.

Loske, Reinhard: Die Wiedereinbettung der Ökonomie in Natur und Gesellschaft. In: Politische Ökologie: „Morgenland. Denkpfade in eine lebenswerte Zukunft“, 2019: S. 20-27.

Loske, Reinhard: Klimapolitik: Diesmal wirklich am Scheideweg? Ein Blick zurück nach vorn. In: Gesellschaft-Wirtschaft-Politik, 4/2019: S. 469-478.

Loske, Reinhard: Nachhaltigkeit ernstnehmen! Was nachhaltige Entwicklung für unser Politik-, Wirtschafts- und Bildungssystem wirklich bedeutet. In: Politisches Lernen 3/4/2019, Sonderheft “Globales Lernen”: S. 4-9.

Ausgewählte Termine

Winterschool: Neoliberalismus und Rechtspopulismus

Datum: 18. – 20. Dezember 2019
Veranstaltungsort: Akademie für Politische Bildung, Buchensee 1, 82327 Tutzing

Tagung der Akademie für Politische Bildung in Zusammenarbeit mit der Cusanus Hochschule zum Thema Neoliberalismus und Rechtspopulismus. Weitere Infos zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

Vortrag und Workshop zu Rechtspopulismus

Datum: 09. Januar 2020
Veranstaltungsort: Universität Graz, Graz

Vortrag und Workshop von Prof. Dr. Walter Ötsch zum Thema Rechtspopulismus, veranstaltet von der Wirtschaftspolitischen Akademie Steiermark.

Studieninformationstag der Cusanus Hochschule

Datum: 04. Februar 2020
Veranstaltungsort: Cusanus Hochschule, Bahnhofstraße 1 (ehem. Hotel 3 Könige), Bernkastel-Kues

Studieninformationstag der Cusanus Hochschule für den Bachelor sowie für den Master Ökonomie. Weitere Informationen finden Sie hier. Anfragen und Anmeldungen nehmen Judith Colsman (für den Bachelor) und Leopold Lorenzoni (für den Master) entgegen unter: studienberatung@cusanus-hochschule.de. Für unsere Planung bitten wir um eine frühzeitige Anmeldung.

Tagung: Der nächste Crash als Chance – Szenarien und Reformpotentiale

Datum: 07. Februar 2020
Veranstaltungsort: Silent Green Kulturquartier, Gerichtsstraße 35, 13347 Berlin

Die Tagung soll Entscheidungsträger*innen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringen, um das Thema einer nächsten Finanzkrise in den Vordergrund zu rücken und so neue Impulse für eine zukunftsweisende Debatte zu geben. Dabei sollen keineswegs pessimistische Katastrophenszenarien heraufbeschworen, sondern die große Vielfalt an politischen Handlungsoptionen und visionären Reformmöglichkeiten aufgezeigt werden. Mit Prof. Dr. Reinhard Loske, Präsident der Cusanus Hochschule. Nähere Infos zur Veranstaltung finden Sie hier.

Jahresempfang der Cusanus Hochschule

Datum: 08. Februar 2020
Veranstaltungsort: Cusanus Hochschule, 54470 Bernkastel-Kues

Die Cusanus Hochschule lädt herzlich zu Ihrem Jahresempfang ein. Weitere Infos folgen in Kürze.

4. Jahrestagung der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft

Datum: 19. – 21. Februar 2020
Veranstaltungsort: Pädagogische Hochschule Wien, Wien

Welche Interdependenzen Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme kennzeichnen, soll im Rahmen der vom 19. bis 21.02.2020 an der Pädagogischen Hochschule in Wien stattfindenden Tagung aus fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Perspektive erörtert werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Gegenstandsbereich Wirtschaft in seine gesellschaftlichen Kontexte, insbesondere mittels Beiträgen aus den Bezugsdisziplinen Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftspädagogik, Politikwissenschaft, Philosophie, Soziologie, Geographie und Ethik, eingebettet werden kann. Mit Lukas Bäuerle & Theresa Steffestun als Referierende und Silja Graupe als Moderatorin, ist auch die Cusanus Hochschule hier vertreten. Weitere Infos zur Tagung finden Sie hier.

Podiumsdiskussion und Vortrag zum Rechtspopulismus

Datum: 19. – 20. März 2020
Veranstaltungsort: Siegburg

Podiumsdiskussion von Prof. Dr. Walter Ötsch zum Thema Aufschrei oder Ignoranz? Christlicher Beitrag zum gesellschaftlichen Umgang mit Rechtspopulismus (mit Sonja Strube und Wolfgang Thierse) sowie
ein Vortrag von ihm zum Thema Manipulationsstrategien der Rechtspopulisten im Rahmen des Fachtags “Klare Position! Fachtag Weltbild und Argumentationsstrategien zwischen Christentum und Rechtspopulismus”
veranstaltet vom Katholisch-Sozialen Institut des Erzbistums Köln.