Rasmussen Vortrag

Zum Thema: Nicht nur auf den ersten Blick fällt die Struktur der zweibändigen Anthropologie (1822) Steffens’ auf. So muss wohl jeder Mensch über die Gegenstände dieser Anthropologie stolpern, wenn er sich auf den ersten Band mit seinem etwa vierhundertachtzig Seiten einlässt, um sich zunächst überfordert mit Geologie zu finden. Im ersten Band werden so ausschließlich geologische Themen abgehandelt. Selbst Steffens’ lebenslanger Freund Schelling musste sich aus Mangel aller Zeit und Kräfte eine Analyse dieses Werks aussparen. Wenig besser, wohl aber traditioneller, wird es im zweiten Band, der mit einer etwa dreihundertfünfzig Seiten langen Physiologie des Organischen anfängt. Dem Menschen gönnt Steffens die letzten neunzig Seiten, bestimmt ihn aber ohnehin als den Gipfel der Schöpfung. Demnach gilt es als der Grundgedanke Steffens’, der Mensch aus der Natur zu begreifen. Gegenüber traditionellen Auffassungen erfährt der Gegenstandsbereich der Anthropologie somit eine wesentliche Erweiterung im Werk Steffens’, und zwar, um den Menschen nicht zu unterschätzen. Sei dies nun der verworrenen Begrifflichkeit und dem übermäßigen Anteil an Phantasie geschuldet (Hegel) oder nicht, so ist es doch bemerkenswert und des Weiteren zeitgemäß, wenn Steffens immer noch behauptet, nur so begriffen, d. h. aus einer natürlichen Ganzheit, sei der Mensch recht in seiner Freiheit verstanden. Demzufolge ordnet Steffens seinen anthropologischen Epochen (Geologie, Physiologie und Psychologie) Zeitkategorien (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) zu. Betreffs des außergewöhnlichen Gegenstandes und Zwecks dieser Anthropologie soll dieser Auffassung Steffens’ nachgegangen werden, um im Allgemeinen einen deutlichen Unterschied zur philosophischen Anthropologie des zwanzigsten Jahrhunderts und im Besonderen einen klaren Eindruck von der Reichweite der Naturphilosophie Steffens’ zu gewinnen.